Eines vorneweg: Sie ist geglückt - die Generalprobe. Wir - Florian und ich - haben uns am sonntäglichen Morgen, genau vier Wochen vor dem Berlin-Marathon, auf einen Testlauf mit annähernden Wettkampfbedingungen begeben. Über Waldwege führte quer durch den Grunewald eine 10 km-Runde. Jeder Teilnehmer kann dann individuell entscheiden, ob es 10, 20 oder 30 km werden sollen. Als "echte Männer" haben wir uns natürlich über die volle Distanz gequält. Alles in allem aber eine lohnende Qual, haben wir doch jetzt ein bisschen mehr Gewissheit, dass wir das Projekt Marathon erfolgreich zu Ende bringen werden - zumindest bilden wir uns das jetzt ein. Um dem treuen Leser aber noch mehr über unser Befinden und unsere Erfahrungen zu erzählen, hier die 30 Kilometer aus Florians und meiner Sichtweise:
Florians Sichtweise: OHHH man!!! Sonntag 6:20h und mein Wecker klingelt! Aber alles Hadern mit der Zeit hilft nicht! Die Generalprobe für den Berlin Marathon 2007 steht bevor. Also raus aus dem Bett, schnell noch ein Frühstück und rein in die Bahn. Um 9:00h erfolgte der Startschuss und die ca. 10km lange Runde wird von uns drei Mal in Angriff genommen. Gleich am Anfang kommt das Marathonfeeling auf. Rund 1000 Läufer zwängen sich die ersten Kilometer über enge Waldwege. So liegt die Zeit für unseren ersten Kilometer bei 6:15. Nach einer Weile haben wir uns frei gelaufen, unsere “Reisegeschwindigkeit “erreicht und laufen Kilometerzeiten zwischen 5:30 und 5:40. Die ersten beiden Runden sind, nur von kleinen Verpflegungspausen unterbrochen, schnell erledigt. Beim Antraben nach der 20 Kilometermarke tue ich mich schwer in meinem Rhythmus zu kommen. Aber nach und nach komme ich wieder in meinen Tritt. Außerdem beiße ich mich an einem der Mitläufern fest und lasse Ihn nicht davon kommen. Daniel bleibt, wie die ganze Zeit schon, an meiner Seite. Wir kämpfen uns den ersten Teil der letzten Runde über die Waldwege bergauf und lassen unseren Hasen stehen. ;-) Nach dem letzten Verpflegungsstopp legen wir noch mal ein paar Kohlen drauf und überholen noch eine ganze Menge Läufer. Am letzten Anstieg macht sich die Anstrengung bemerkbar. Mit einmal sind meine Muskeln hart wie Stahl und ich habe das Gefühl stehen zu bleiben. Jetzt macht sich mein Leidensgenosse Daniel unbezahlbar und feuert mich an. Ich quäle und kämpfe mich den Anstieg hoch und bleibe an Daniels Fersen. So schaffen wir Dank Teamwork unsere beste Kilometerzeit von 5:28!!! Ich bin nach dem Trainingslauf mit Daniel guter Dinge, dass wir den Marathon in vier Wochen gut schaffen werden.
Daniels Sichtweise: Gegen 6.30 Uhr hörte ich im Halbschlaf ein Klingeln - oh nein, der Wecker. Ja, so früh stand ich die ganze Arbeitswoche nicht auf. Was macht man nicht alles, um sich nicht in vier Wochen vorwerfen lassen zu müssen, man habe nicht ausreichend und konsequent genug trainiert. Natürlich war ich auch auf meinen eigenen Trainingsstand gespannt, bei solchen organisierten Läufen wird nämlich schonungslos mit der eigenen "Schön-Rederei" aufgeräumt. So stand ich also Punkt 9 Uhr mit Florian am Start - nicht sicher, was mich die nächsten 3 Stunden alles erwarten wird. Die ersten beiden Runden verliefen dann ohne größere Vorkommnisse.
Anfang der dritten Runde haben sich dann meine Beine - genauer gesagt meine Waden - bei mir gemeldet. 20 Kilometer gehen halt auch nicht spurlos an ihnen vorbei. Hier hatte ich dann auch mit einem kleineren Tief zu kämpfen, Florian hat mich dankenswerter Weise bis zum nächsten Verpflegungspunkt gezogen. Dazu sei erwähnt, dass das Streckenprofil in meinen Augen nicht ganz ohne war. Immer wieder ging es bergauf, bergab. Und bei dem teils steinigen Waldboden war stets Vorsicht geboten. Mit neuer Flüssigkeit im Körper bekam ich dann meine zweite Luft, die Gott sei Dank bis zum Ende anhielt. So konnte ich mich auch noch bei Florian revanchieren, den ich den letzten Anstieg bis ins Ziel pushen konnte. Sichtlich zufrieden mit unserer Leistung kamen wir dann im Ziel an.
Mit diesem Lauf wurde dann auch offiziell der Endspurt meines Trainings eingeläutet. Vier Wochen sind es noch, die letzte Woche vor dem Marathon ist jedoch für die Regeneration fest gebucht. In den verbleibenden drei Wochen stehen vornehmlich Tempoläufe und lange Läufe auf dem Plan. Sollte ich jetzt nicht mehr von Verletzungen oder Krankheiten heimgesucht werden, sehe ich den 42,195 Kilometern zuversichtlich entgegen. Bis dahin setze ich meine Lauferei bis auf weiteres fort.
Fazit:
Fleißiges Training lohnt sich!! Außerdem ist das Laufen in einer Gruppe oder mit einem Leidensgenossen bei langen Läufen sehr hilfreich. So kann man sich gegenseitig puschen, überwindet kleine Zwischentiefs viel besser und die Zeit bis zum Ziel vergeht auch viel schneller.
Text: Daniel Rief & Florian Komm
Fotos: P. Jakubczyk
9:10 Uhr, 04.09.2007